Wieder gelesen: Die Wandlung eines Mörders

kulturtipp 03/2019 vom

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Das Luzerner Theater ­adaptiert «Schuld und Sühne». Fjodor Dostojewskis grosse Gesellschaftsstudie ­erschien erstmals 1866 als Fortsetzungs­roman.

«Wo sitzt das Gewissen in der globalisierten Gesellschaft?» Dieser Frage gehen die beiden estnischen Regisseure Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo in ihrer Dostojewski-Adaption am Luzerner Theater nach. Die literarische Vorlage ist nicht nur komplexer, sondern auch radikaler. Dostojewski schuf mit Rodion Raskolnikow einen schillernden Protagonisten, der die ungeheuer­liche Idee von Unter- und Übermenschen ad absurdum führt. Als Genie sieht er sich moralisch zum Mord an ­einer Wucherin berechtigt. Von seiner Geliebten Sonja zur Sühne gedrängt, stellt er sich, verbüsst acht Jahre im sibirischen Gefangenenlager, das er geläutert verlässt. Dostojewskis erster grosser Roman entstand auf Druck seines Verlegers in ­Rekordzeit, allerdings in zwölf  Tranchen, die als Fortsetzungsroman erschienen. Die Buchausgabe von Ende 1866 wurde bereits 1882 ins Deutsche übersetzt. Für Schlagzeilen sorgte «Schuld und Sühne» letztmals, als die begnadete Übersetzerin Swetlana Geier ihre 1994 erschienene Ausgabe mit «Verbrechen und Strafe» betitelte.

Theater
Schuld und Sühne
Premiere: Mi, 30.1., 18.00 
Luzerner Theater 
 
Buch
Fjodor Dostojewski 
Schuld und Sühne
Deutsche Erstausgabe: 1882
Heute erhältlich unter anderem als Fischer Taschenbuch
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