Michael Elsener: «Bei Bedarf bin ich sehr ernsthaft»

kulturtipp 25/2015 vom | aktualisiert am

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Der Zuger Kabarettist Michael Elsener ist mit seinem neuen Programm «Mediengeil» unterwegs. Er sagt, warum Parodien auf Prominente lustig sind.

Michael Elsener: «In den Ferien bin ich selten mich selber» (Bild: Philippe Hubler)

Michael Elsener: «In den Ferien bin ich selten mich selber» (Bild: Philippe Hubler)

kulturtipp: Sie müssen privat eine ziemliche Nervensäge sein.
Michael Elsener: Was meinen Sie damit? Gleich zu Beginn eine Suggestivfrage?

Ich nehme an, Sie äffen jeden nach.
Das Nachäffen ist ja vor allem für mich selber anstrengend, weil die Figuren stets in meinem Kopf sind. Bin ich gerade guter Stimmung, dann lasse ich sie zu Wort kommen – zur Freude meines Umfelds.

Ah, da hört man tagsüber nicht den Michael Elsener, sondern beispielsweise den Kurt Aeschbacher.
In den Ferien bin ich selten mich selber, weil mich meine Freunde laufend auffordern, eine Figur zu spielen. Da sitzen wir also in einem italienischen Zug fest, und meine Freunde fragen, was meint denn Rony Buser dazu? Das ist meine typische Schweizer Sparfuchs-Figur, ein Polterer halt.
 
Können Sie eigentlich auch mal still sein ausser im Schlaf?
Ja, natürlich, ich bin ja nicht dauerlustig. Man kann mit mir zwar einen amüsanten Abend verbringen. Aber bei Bedarf bin ich sehr ernsthaft. Man kann mit mir über Liebeskummer reden.

Dann legen Sie Freunde auf die Couch und lassen sie reden?
Ich kann zuhören, mich in die Lage anderer versetzen und Denkanstösse liefern.

Was ist lustig daran, andere zu parodieren? Bundesrat Johann Schneider-Ammann ist ja bei seinen Gähn-Auftritten fast nicht zu übertreffen.
Das stimmt, ich finde ihn im Original auch lustiger, als wenn ich ihn spiele. Diese Frage stellt sich mir immer wieder. Deshalb fühle ich mich geehrt, wenn die Leute ins Theater kommen, um eine Kopie zu sehen, und sich nicht mit der Person im Original zufriedengeben. Das ist auch eine Geldfrage. Roger Federer ist im Original teurer zu sehen, als wenn ich ihn spiele.

Die Leute kommen zu Ihnen, um Geld zu sparen?
Nicht nur, das Nachahmen hat ja etwas sehr Kindliches. Das habe ich schon als Kleiner kapiert. Wenn ich einen Onkel nachmache, dann finden das alle lustig. Ich kann seine Erscheinung zuspitzen und etwas umsetzen, das allen auffällt, ohne dass es ihnen bewusst ist.

Ist es schwieriger, einen eher unauffälligen Schneider-Ammann zu parodieren, oder eine Widmer-Schlumpf mit ihren leicht exzentrischen Auftritten?
Ich parodiere gerne Leute, die man eigentlich nicht nachmachen kann, weil ihnen Ecken und Kanten fehlen – da haben sich Bundesrat Didier Burkhalter und der TV-Moderator Sven Epiney geradezu aufgedrängt. Bei Burkhalter arbeitete ich seine ­absolute Regungslosigkeit heraus und bei Epiney das ununterbrochene Schönreden.

«Mediengeil» mit Michael Elsener
Mi, 2.12., 20.00 Bierhübeli Bern
Do, 3.12., 20.00 Casino Frauenfeld
Sa, 5.12., 17.30 Humorfestival Tschuggen Arosa GR
Weitere Termine: www.michaelelsener.ch

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