Ihre Musik ist süsslich-verspielt und erinnert an frühkindliche Karussellfahrten oder Zirkus­besuche. Genauso intensiv be­dienen sich The Tiger Lillies auch verruchter Vaudevilleklänge oder beissend-dissonanter Brecht/Weill-Songs. Und dazu passen die Texte des Londoner Trios, die bitterbös-ironisch aus Schattenwelten, Randzonen und der Gosse berichten.

Ihren verbalen Provokationen entsprechend, treten die drei Multiins­trumentalisten Martyn Jacques, Adrian Stout und Adrian Huge in schrillen Kostümen und Masken auf. Ihre bedrohlich wirkenden Shows begleiten sie freilich wohlklingend mit Akkor­deon und Ukulele, mit singender Säge und schneidend-hohem Falsettgesang, wodurch eine irritierende Doppelbödigkeit entsteht, die einen das Grausen lehrt. Bestes und in der gut 20-jährigen Bandgeschichte erfolgreichstes Beispiel für die teuflische Spielerei ist die Vertonung von Hoffmanns «Struwwelpeter». Mit «Shockheaded Peter» eroberten The Tiger Lillies 1998 weltweit die Theater- und Konzertbühnen und bekamen den wichtigsten britischen Theaterpreis, den Laurence Olivier Award, zugesprochen. Die CD erschien ein Jahr später. Bis heute fügen Jacques, Stout und Huge Songs wie «Flying Robert», «Snip Snap (Suck-A-Thumb)» oder «The Dreadful Story About Harriet And The Matches» in ihre Programme ein. Vielleicht auch in St. Gallen oder Zürich, wo sie dieser Tage zu erleben sind.


[CD]
The Tiger Lillies
Shockheaded Peter
(Warner 1999).
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