Sind Katzen sozial? Warum suchen sie gezielt frische Brandruinen auf? Und weshalb sind die Därme von Hauskatzen länger als die ihrer wilden Verwandten?

Solchen Fragen geht der US-Evolutionsbiologe Jonathan B. Losos in seinem Buch «Von der Savanne aufs Sofa» auf den Grund. Losos’ Forschungsschwerpunkt sind eigentlich Eidechsen. Bis vor einigen Jahren schenkte er Katzen privat zwar sehr viel Liebe und Streicheleinheiten, aber kaum wissenschaftliches Interesse.

Um seine Harvardstudenten niederschwellig für Forschungsmethoden zu begeistern, hielt er ein Anfängerseminar über Katzen – und entdeckte seine eigene neue Leidenschaft. Jonathan B. Losos durchforstete die Katzenforschung, verglich Studien und überprüfte Thesen am eigenen Stubentiger Winston. Herausgekommen ist ein populärwissenschaftliches, unterhaltsames und sehr informatives Buch.

Darin betrachtet er evolutionäre Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Katze und gibt nebenbei einen Einblick in die Verhaltensforschung. Losos erzählt in lockerem Plauderton von Wissenschaftern, die ungeduldig auf das Miau einer redefaulen Katze warten, und Forscherinnen, die Angst vor Datenschutzklagen haben, weil die Katzen mit ihren Halsbandkameras Privathaushalte filmen. Zum Glück filmten einige trotzdem weiter. So erfahren die Leser, dass ihre Lieblinge immer wieder in offene Fenster oder Kanalisationen einsteigen.

Auch Strassenkatzen bilden Familienverbände

Spannend sind auch die Vergleiche mit wilden Katzenarten. So teilt die Hauskatze mit dem Löwen ein Begrüssungsritual: den nach oben gereckten Schwanz. Losos führt dies auf ein ähnliches Gruppenverhalten zurück. Denn auch Strassenkatzen schliessen sich zu Familienverbänden zusammen, ziehen gemeinsam Junge auf und teilen die erbeuteten Fressalien aus dem Müllcontainer miteinander.

Als Evolutionsbiologe betrachtet Losos auch genetische Aspekte. Man erfährt, dass sich die DNA von Haus- und Wildkatzen viel mehr ähnelt als diejenige von Hund und Wolf. Der Darm der Hauskatze ist aber länger, weil sie sich als halb domestiziertes Tier an das Leben beim Menschen angepasst hat, wo nicht mehr ausschliesslich Fleisch auf dem Speiseplan steht.

Ein lehrreiches Lesevergnügen

Trotz dem wissenschaftlichen Ansatz behält sich Losos ein Staunen über die Katzen und ihr Verhalten, etwa wenn er beschreibt, wie sie meilenweit entfernte Brände orten und dort auf die Jagd nach obdachlos gewordenen Kleintieren gehen. Der seriöse Ansatz, die erstaunlichen Erkenntnisse und die liebevolle Erzählweise machen dieses Buch zu einem lehrreichen Lesevergnügen für Katzenfans.

Buch
Jonathan B. Losos
Von der Savanne aufs Sofa
355 Seiten
(Hanser 2023)