Dieser Mann erreicht spielend, wofür ihn viele Musiker beneiden. Christian Wolfarth setzt sich mit minimaler Ausrüstung auf die Bühne, mit zwei Becken etwa, die er sachte zum Schwingen bringt. Das tut er sehr lange, wobei sich das Schwingen stetig verändert. Die dramaturgische Spannung dieses Bogenschlages berechnet Wolfarth derart präzise, dass er die volle Aufmerksamkeit des Publikums gewinnt.

Reduktion ist die grosse Kunst des Zürcher Schlagzeugers und Perkussionisten, der seit gut 30 Jahren in der Freien Szene Europas aktiv ist. Als Solist oder in diversen Kleinformationen. Mit dem Genfer Pianisten Michel Wintsch und dem Zürcher Bassisten Christian Weber etwa erneuert Wolfarth seit 2001 das klassische Jazz-Format des Pianotrios mit unermüdlichem Einfallsreichtum. 

Gerade im Kollektiv wird deutlich, dass Christian Wolfarth mehr ist als ein Time­keeper. Er schlägt keine Takte, er gestaltet sie und schafft damit passende Raum-Zeit-Klammern. Wolfarth beschert der komplexen Improvisation die entladende Erdung. Und dies mit einfachsten Mitteln.

Es überrascht nicht, dass dieser feinsinnige Drummerpoet ein viel beschäftigter Musiker ist. Gerade sind zwei neue Alben erschienen, und fast pausenlos ist er auf Konzertbühnen anzutreffen. Seine Spuren gilt es zu verfolgen – oder zu entdecken.

LP
Christian Wolfarth 
Spuren 
(Hiddenbell Records 2016).

CD
Christian Buck/Christian Wolfarth 
The Music Of … 
(Wandelweiser 2016).

Konzerte
Sa, 28.5., 21.30 Café Plüsch Zürich: Duo mit Gitarrist Philipp Schaufelberger
So, 5.6., 19.00 Moods Zürich: Trio WintschWeberWolfarth
Fr, 10.6., 20.15 WIM Zürich: Trio Rupp/von Grünigen/Wolfarth
www.christianwolfarth.ch