Im dürrenmattschen Universum geht es grotesk zu und her. Davon zeugt etwa sein 1989 entstandener Roman, der in einem Kurhaus im schweizerischen Durcheinandertal spielt. Im Sommer verkehren dort die Millionäre, die sich «von der Last des Reichtums» befreien wollen – angeführt vom steinreichen Theologen Moses Melker, der alle seine Ehefrauen auf dem Gewissen hat. Winters dient das Kurhaus als Versteck für Kriminelle, welche die Dorfbewohner schikanieren. «Durcheinandertal» ist das letzte Werk des Berner Schriftstellers, in dem er den Lesern fratzenhaft überzeichnet das Chaos der menschlichen Existenz vor Augen führt. Als Vorlage diente ihm das Waldhaus Vulpera im Unterengadin, in dem der Autor ab 1959 oft zu Gast war.

Der deutsche Regisseur Martin Pfaff hat aus der gesellschaftskritischen Tragikomödie eine Theaterfassung für das Theater St. Gallen geschaffen und bringt das Stück als Uraufführung auf die Bühne. Das Ende nimmt, wie so oft bei Dürrenmatt, die «schlimmstmögliche Wendung».

Das Kurhaus und das ganze Dorf gehen in Flammen auf. Eine gruselige Anekdote dazu: Auch das reale Grand Hotel brannte im Erscheinungsjahr des Romans nieder – die Brandstifter wurden nie gefunden.

Durcheinandertal
Premiere: Fr, 6.1., 19.30 Theater St. Gallen