Eine von Schwitters bekanntesten Figuren ist Auguste Bolte aus der gleichnamigen Novelle. Die neugierige Dame erblickt zehn Personen, die in dieselbe Richtung laufen, und schliesst daraus, dass etwas los ist, denn: «Wenn nämlich nichts los ist, so gehen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 Menschen nicht in der ausgerechnet selben Richtung, sondern dann gehen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 Menschen in 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 verschiedenen Richtungen. Das ist einmal sicher, und Fräulein Auguste Bolte war immer ein gescheites Mädchen gewesen, schon in der Schule.» Weil sie sich nichts entgehen lassen will, folgt sie ihnen und gerät in Schwierigkeiten, als die Gruppe sich teilt. Sie rennt in verschiedene Richtungen und entledigt sich ihrer Kleider, damit sie schneller laufen kann. Schliesslich landet sie in der Wohnung eines Mädchens aus der Menschengruppe und zertrümmert wütend dessen Einrichtung. Denn dass tatsächlich nichts los war, mag sie ihm schlichtweg nicht glauben.

Purer Blödsinn? Was sich zuerst als unterhaltsame, aber sinnentleerte Sprachspielereien liest, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als hintersinnige Kunst- und Gesellschaftskritik. Kurt Schwitters (1887–1948), der Maler und Schriftsteller aus dem Surrealismus und Dadais­mus, nimmt mit seinem Werk
«Tran Nr. 30/Auguste Bolte (ein Lebertran)» von 1923 kleinbürgerliche Werte aufs Korn. Und dies auf amüsante Art und Weise, wie sich in der Strauhof-Ausstellung zusammen mit anderen Meistern des Nonsense sehen lässt.


[Buch]
Kurt Schwitters
«Tran Nr. 30/
Auguste Bolte
(ein Lebertran)» Erst­ausgabe: 1923
Heute erhältlich bei Sammlung
Luchterhand.
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