Die Website hat bereits vor ihrem Start am 3.11. Empörung ausgelöst: «Ein kleiner Kultur-Skandal» nennt es der «Sonntagsblick», theaterkritik.ch breche dreist mit dem Journalistenkodex der Unkäuflichkeit, meint «Die Weltwoche». Stein des Anstosses liefert das Konzept: Theater- oder Tanzgruppen zahlen 600 Franken an theaterkritik.ch und erhalten dafür zwei Kritiken, die zusammen mit einer kurzen Projektdarstellung aus Sicht der Veranstalter auf der Website aufgeschaltet werden.
Ein Blick auf die neu lancierte Plattform zeigt: Hier sind auf einer professionell gestalteten Website Theaterkritiken von renommierten Rezensenten wie Bettina Spoerri, Charles Linsmayer oder Simone von Büren zu finden. Dass trotz Bezahlung Platz ist für eine kritische Sichtweise, die auch Schwächen der Stücke benennt, beweisen die wenigen bereits erschienenen Rezensionen. Lena Rittmeyer, Leiterin theater­kri­tik.ch, will mit der Website den «Mangel an fachlich kompetenter Kulturberichterstattung» beheben, wie sie sagt. «Wir sind uns bewusst, dass unser Konzept ungewohnt anmutet, auch wir finden es schade, dass Theater- und Tanzgruppen selber finanziell dafür aufkommen müssen, eine reflektierte Auseinandersetzung mit ihrem Schaffen zu erhalten. Doch genau darauf macht das Projekt aufmerksam – es ist ein Selbsthilfeprojekt von Theaterschaffenden und Kulturjournalisten.»

Chance für freie Szene
Für die Theatergänger lohnt sich ein Blick auf die Website allemal, denn so können sie sich aus verschiedenen Blickwinkeln über eine Aufführung informieren – und es bietet sich eine Alternative zu den Kritiken in den gängigen Medien, die oft vor allem die grossen Häuser berücksichtigen.