Sieht man Julia (Anna Maxwell Martin) eigentlich je ohne ­ihren roten Trench­coat? Es scheint fast, der halb­herzig zugeknöpfte Mantel sei das Einzige, was die Mutter zweier Kinder noch zusammenhält. Job und Haushalt, Elterntaxi und Kindergeburtstag, Klassenausflug ins Schwimmbad und Spendenabend an der Schule – alles, aber wirklich alles bleibt an der Protagonistin von «Motherland» hängen.

Die Serie gehört in Gross­britannien zu den beliebtesten TV-Produktionen der letzten Jahre. Kein Wunder, ein hochkarätiges Autorengespann um Sharon Horgan und Graham Linehan schuf mit «Motherland» eine Slapstickkomödie, die das heutige Muttersein gnadenlos durch den Kakao zieht. Julias Gatte ist mehrheitlich abwesend (Team-­Anlass, Fussballspiel, alles sehr wichtig), und ihre Mutter hat sich längst von Grossmutterpflichten emanzipiert.

Zum Glück gibt es da noch moralische Unterstützung von der chaotischen Leidensgenossin Liz (wie immer grossartig: ­Diane Morgan). Was die Serie nebst viel schwarzem Humor und wunderbaren Running Gags auszeichnet: Konsequent widerstehen Horgan, Linehan und Co. dem Reflex, ihren ­Geschichten des alltäg­lichen Familienchaos versöhnliche Wendungen zu geben. Mutterglück? Pah, von wegen! Alle drei Staffeln sind jetzt in der Arte-Mediathek zu sehen.

Motherland
www.arte.tv