Erst vor Jahresfrist begeisterte Edward Berger mit seinem raffinierten Vatikanthriller «Conclave». Jetzt legt der österreichisch-schweizerische Regisseur mit «Ballad of a Small Player» nach, seiner ersten Arbeit für Netflix. Er schickt darin Colin Farrell als abgehalfterten Briten nach Macau.

Lord Doyle heisst dieser Mann, der natürlich nicht so heisst – und auch den Champagner und die Zigarren, die er in rauen Mengen konsumiert, nicht mag.

Doyle ist schlicht glücksspielsüchtig und immer auf der Suche nach einem Ausweg aus der Klemme. Dabei kreuzen sich seine Wege mit der englischen Inkasso­eintreiberin Betty (Tilda Swinton) und der einheimischen Geldverleiherin Dao Ming (Fala Chen).

«Ballad of a Small Player» kommt im Vergleich zu Bergers «Im Westen nichts Neues» ­(4 Oscars) und «Conclave» (1 Oscar) eher als erzählerisches Leichtgewicht daher. Aber die Szenerie in diesem Monte Carlo des ­Ostens fängt Kameramann James Friend ein, als sässe man selbst im Regen vor ­einem dieser grellen Glücks­spielpaläste.

Und wenn die Film­musik von Volker ­Bertelmann losorgelt, kann man sich an Colin Farrell schlicht nicht satt­­sehen. Exzess, Ekstase, Erlösung – da ist jede Schweiss­perle ein Erlebnis. 

Ballad of a Small Player
Ab Mi, 29.10.: Netflix