Im Abspann dieser Dokumentation steht hinter vielen Namen ein Kreuz. Das Videotagebuch des ukrainischen Künstlers und Filmemachers Dmytro Dokunov, genannt Dok, ist ein schwer verdauliches, aber auch einzigartiges Dokument des Ukraine-krie­ges. Dok glaubt nicht an Krieg als Konfliktlösung. Er ist Krishna-Anhänger und lebt
in einer Kommune. Trotzdem ­entscheidet er sich für den Kampf. Mit dem Handy dokumentiert er seine Erfahrungen an der Front. Schon beim ­ersten Gefecht stirbt ein Freund. «So sieht das Ende der Welt aus», sagt Dok.

Die Dokumentation, die ­unter der Regie von Oleksandr Tkachenko entstand, zeigt unver­pixelt Kriegsverletzungen und tote Körper. Dok spricht mit den Soldaten im Schützengraben auch über Gefühle: die Angst, das Selbstbild, das ­Töten. Von Glorifizierung fehlt hier jede Spur. Dem Krieg stellt Tkachenko ­romantische Aufnahmen ­gegenüber: von nackten Menschen in idyllischer Natur oder von einem Yoga-­Festival, das Dok bei ­einem kurzen Front­urlaub ­besucht.

Diese Bilder ­zeigen auch, wie der Krieg ihn innerlich verändert. Die Naturaufnahmen werden im Laufe der Zeit unwirklicher, traum­artiger. In Donezk wird Dok dann so schwer verletzt, dass er nicht mehr an die Front ­zurückkehrt. Er will nun ein Reha­zentrum bauen und hofft, so selbst zurück ins Leben zu finden.

Ein Pazifist im Krieg – Tagebuch eines ukrainischen Soldaten
Arte-Mediathek