«Guten Morgen, Miss», sagt der Portier, «darf ich Ihnen ein Taxi rufen?» Ihre schnippische Antwort: «Ich habe Beine.» ­Wenig später steht Cheyenne Toussaint (Lou de Laâge) im Ballettsaal vor der New Yorker Skyline, während alle anderen Tänzerinnen und Tänzer ehrfürchtig zurückweichen.

Diese Primaballerina und Klimaaktivistin ist in der Amazon-Prime-Video-Serie «Étoile» Teil einer temporären Personalrochade zwischen zwei ­Ballettkompanien aus ­Paris und New York. Eine trans­atlantische Marketingmassnahme quasi, ausgeheckt von der ­Pariser ­Direktorin ­Geneviève Lavigne (Charlotte Gainsbourg) und ­finanziert vom herrlich ­luschen Ölbaron Crispin ­Shamblee ­(Simon ­Callow). Wie könnte da der New Yorker Ballettdirektor Luke Kirby (Jack McMillan) Nein sagen?

«Étoile» ist das jüngste Werk von Amy Sherman-Pal­ladino und Daniel Palladino, die dem Publikum schon so schräg­humorige Highlights wie «Gilmore Girls» oder «The ­Marvelous Mrs. ­Maisel» bescherten. Nun, in der Welt des Balletts lassen sie ihrem Flair für supernar­zisstische Charaktere freien Lauf. Die Serie ist Sarkasmus pur. Aber nicht nur: Eigent­licher Star ist die Tochter einer New Yorker Putzfrau, die nachts in «geliehenen» Schuhen Schritte aus tagsüber heimlich gefilmten Ballett­proben übt.

Étoile
Amazon Prime Video