Reisereportagen von Arte sind ein sicherer Wert für neue ­Perspektiven und spektakuläre Bilder. Auch diese hier garantiert beides. Der Reporter verlässt seinen Schreibtisch allerdings zu keinem Zeitpunkt. In zehn Episoden führt der Videokünstler Alt236 als Avatar durch die Untiefen des Internets und in seine bizarrsten Ecken. Dort findet man etwa das Gruselgenre «Creepypasta», in dem Videos und Bilder mit Geschichten versehen werden, welche die Leser schaudern lassen. In einer anderen Folge erklärt er, wie GIFs, kurze Videoausschnitte in Endlosschlaufe, zu einer eigenen Sprache werden konnten.

Alt236 ist aber nicht von ­allen Bereichen des Webs begeistert. Die generative «Kunst», die KI erstellt, sieht er als grosse Gefahr für die Kreativwelt. Wahre KI-Kunst könne nur einer Maschine mit Bewusstsein und ohne Internetzugang gelingen, ist er überzeugt. Es sind solche ungewohnten Sichtweisen, welche die Kurzserie bereichern.

Die kurzweiligen Episoden zeigen sowohl die destruktiven als auch die konstruktiven ­Seiten der Technologie. Die Erzählweise ist informativ und gut verständlich, aber auch wunderschön verspielt. Beispielsweise, wenn Alt236 mit vielen kurzen GIFs so etwas wie einen optischen Rhythmus baut, um ins Thema einzuführen. Die Serie wurde 2020 produziert und ist jetzt mit deutscher Synchronisation in der Arte-Mediathek aufgeschaltet.

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