Man könnte sich bei Enid Blyton wähnen: Kinder spielen am Strand, lassen Krebse über ihre Arme wandern, und, hurra, nirgends sind Erwachsene zu sehen. Was sich wie ein wohlig­warmes «Fünf Freunde»-­Aben­teuer anfühlt, wird aber schon bald zum Reigen menschlicher Abgründe.

Denn Drehbuchautor Jack Thorne («Adolescence») und Regisseur Marc Munden haben sich ­eines Klassikers der dystopischen Literatur angenommen: «Lord of the Flies» des englischen Autors William Golding. Der Roman von 1954 erzählt die Geschichte einer Gruppe von Buben, die nach einem Flugzeugabsturz allein auf ­einer tropischen Insel über­leben müssen. Jegliche Ordnung fällt bald Machtfantasien und Gewalt zum Opfer.

Thorne und Munden erzählen die Geschichte für BBC / Sky Show als Vierteiler. Nur kurz lullen sie einen mit der anfänglich erwähnten Strand­szene ein. Danach: pures Unbehagen. Mal schauen die Buben den Zuschauern direkt mit leeren Blicken entgegen.

Mal wirkt eine Szene wie eine Fata ­Morgana. Und der mit dem Fischauge gefilmte Dschungel legt sich als erdrückende grüne Hölle um einen. Bildstark und brutal gleitet hier alles in eine fiebrige Anarchie ab. Bis einem eine andere, ebenso düstere Erzählung in den Sinn kommt: Joseph Conrads «Herz der Finsternis». Was sind da nochmal die letzten Worte des irre gewordenen Protagonisten Kurtz? Genau: «Das Grauen, das Grauen …». 

Lord of the Flies
Sky Show