Der Sommer 2003 war besonders heiss. Nicht nur klimatisch. Auch kulturelle Wallungen waren angesagt dank eines jungen, smarten und hübschen Engländers. Jamie Cullum versetzte nicht nur weibliche Fans in Ekstase, auch gestrenge und gesetzte Feuilletonredaktoren drängten sich für ein Showcase ins Zürcher Kaufleuten, um den jungen Wirbelwind zu bestaunen.

Schmissig arrangiert

Der damals 23-jährige Pianist und Sänger aus Essex betörte sein Publikum mit schmissig arrangierten Musicalsongs, Hendrix-Covers und eigenen Stücken. Diese trug er mit tief-rauer Stimme vor, die derart «sexy» war, dass sie einem die Nackenhaare aufstellte. Da störte es nicht, wenn seine Pianobegleitung hörbar holperte: Cullums Songs swingten, groovten, wummerten. Und das Publikum kreischte, wenn der strubbelhaarige Winzling für akrobatische Einlagen vom Pianohocker auf den Flügel sprang.

Jamie Cullum verstand sich zwar als Jazzmusiker, war aber auf dem besten Weg zum Popstar. Jazzy waren höchstens einige seiner Harmonien; mit der Beimischung von Folk, Soul und Hip-Hop stürmte er die Popcharts. Den Sprung ins Rampenlicht hatte Cullum dank medialem Support geschafft. Nach zwei selbstproduzierten CDs mit seinem Bruder Ben wurde er in die TV-Show von Michael Parkinson eingeladen und machte gleich mehrere Major-Labels hellhörig. Den Balzkampf gewann Universaltochter Verve; das 2003 produ­zierte Album «Twentysomething» wurde zum Megaseller.
Seither ist Jamie Cullum um zehn Jahre älter, um Erfahrungen und Millionen reicher geworden. In Schaffhausen zeigt sich, was vom smarten Entertainer geblieben ist.   

Konzert
Mi, 7.8., 18.00 Stars In Town, ­Herrenacker Schaffhausen

CD
Jamie Cullum
Twentysomething (Verve 2003).