In langsamen, ruhigen Einstellungen und in schönen Tableaux erzählt Yimou die Geschichte aus China im Jahr 1920. Ein Patriarch erkürt eine neue Nebenfrau, eine Konkubine. Songlian (Gong Li) ist 19, die jüngste von vier. Sie leben in einem geschlossenen System eines herrschaftlichen Anwesens. Der Herr hat die totale Kontrolle über seine Gemahlinnen. Sie leben, Sklavinnen gleich, in diesem repressiven Grosshaushalt, der von strengen Ritualen geprägt ist.

Songlian ist nicht freiwillig eine Konkubine. Vielmehr hat sie nach dem Tod des Vaters aus materieller Not ihr Studium abgebrochen. Jetzt lebt sie wie im Gefängnis. Wenn es dem Herrn gefällt, muss die Dienerschaft mit roten Laternen den Weg signalisieren: Vom Hausteil jener Frau, die er in der jeweiligen Nacht auserwählt hat, hin zu seinem Gemach. Die Konkubine darf dann einen Tag lang den Haushalt regieren.

Regisseur Yimou gilt als Angehöriger der sogenannten «fünften Generation» von chinesischen Kulturschaffenden. Sie standen für den künstlerischen Aufbruch, der nach der repressiven Ära der Kulturrevolution mehr Freiheit hätte bringen sollen – die Hoffnung wurde enttäuscht. Der chinesischen Regierung sind allerdings die Parallelen zwischen dem Film und der Wirklichkeit nicht entgangen. Yimou wurde zeitweise mit einem Arbeitsverbot belegt. Das im Westen gefeierte und vielfach ausgezeichnete Werk «Rote Laterne» durfte damals in China nicht in die Kinos kommen. Der internationalen Karriere von Zhang Yimou konnte es nicht schaden.    Urs Hangartner

Rote Laterne
Regie: Zhang Yimou
Hongkong 1991
DVD 120 Minuten
(KSM Klassiker 2013).