Zwei Frauen treffen sich auf der Entbindungsstation. Beide werden gleichzeitig Mutter: die bald 40-jährige erfolgreiche Fotografin Janis (Penélope Cruz) und die noch nicht volljährige Ana (Milena Smit). ­Ihnen gemeinsam ist, dass sie alleinerziehend sind, und der Umstand, dass die Schwangerschaft «ein Unfall» war. Im Fall von Ana könnte ­einer der Mitschüler unter Drogeneinfluss der Vater gewesen sein.

Janis wurde von Arturo geschwängert, der sich nicht von seiner Ehefrau trennen kann. Er arbeitet als forensischer Anthropologe, und Janis fragt ihn wegen einer besonderen Mis­sion an. Es geht um die Exhumierung ihres Urgrossvaters, der zu den unzähligen Verschleppten und Verscharrten zu Zeiten des Franco-Regimes in den 1930ern gehörte. Erst wenn die Leichen gefunden und identifiziert sind, können die Nachfahren sie beerdigen, «sonst ist der Krieg nie beendet», wie jemand sagt.

Janis und Ana begegnen sich später wieder. Die Jüngere hat ihre Tochter durch plötzlichen Kindstod verloren. Janis stellt sie als Babysitterin ein und lässt ­sie bei sich wohnen. Bis eine ­bittere Wahrheit über die wirkliche Mutterschaft an den Tag kommt …

Pedro Almódovar zeigt sich in seinem jüngsten Film weniger schrill in seinen Bildern, oft in dezenten Pastelltönen und weniger manieriert als auch schon. Dennoch ist seine Handschrift deutlich erkennbar. Thematisch sowieso: Der spanische Kult­regisseur erweist sich auch diesmal als Frauen- und Mütterfreund, so wie er es bereits in früheren Filmen gezeigt hat. «Madres paralelas» scheint vordergründig melodramatisch, entpuppt sich aber als realistischer Film mit Tiefgang. Almodóvar verhandelt komplizierte Familien­verhältnisse, in denen sich die Frauen behaupten müssen. Nicht zuletzt geht es ums Erinnern, ums Nichtvergessen. Und das ist einmal mehr  ziemlich gut gemacht. 

Madres paralelas
Regie: Pedro Almodóvar
Spanien 2021, 120 Minuten
Ab Do, 16.12., im Kino