Erinnerungen eines Seekindes

Nirgends erscheint der Bodensee grösser als von Bregenz aus betrachtet. Entsprechend weite Panoramen malt Filippa Gojo mit ­ihrer scheinbar grenzenlos tragenden Stimme. Auf ihrem zweiten Quartett-Album «Seesucht» singt die Vorarlbergerin Mundartlieder ihrer Heimat, haucht watteweiche Balladen und schraubt sich scattend hinauf in höchste Klangsphären. Die 28-jährige Sängerin studierte in Köln und fand Anschluss in vielerlei Projekten der dortigen Jazzszene. Mit ihrem Quartett erzählt sie rhapsodische Klanggeschichten in Erinnerung an ihre Kindheit am See, die dank geradezu cineastischer Dichte bei den Zuhörenden eigene Bilder evozieren. Gojo geht meist von einfachen Motiven aus, die sie in jene Panoramen weitet, die Seekinder nie vergessen können. Erfreulich, dass sie diese Erfahrung ihren Kölner Kollegen an Piano, Bass und Schlagzeug zu vermitteln weiss. Ein erstaunlich, nein: erfreulich berührendes Album.

CD
Filippa Gojo Quartett
Seesucht
(Jazzhaus Records 2017).