Die «goldene» Stadt Prag lässt ­einen fast nicht mehr los. Dies, obwohl tschechische Wasserhahnen in Zug- wie Hotel-Toiletten überdimensioniert sind und um sich spritzen. Das Wesen der Wiener ist vielschichtig, die Zürcher dagegen sind smart. An der Limmat aber bekommt lange nicht jeder Bargast Chips zum Bier gereicht, und die Taxifah­-
rer versuchen, den potenziellen Gast zuerst buchstäblich zu ­taxieren.
Solche und ähnliche Erkenntnisse machten Mark Spörrle und Beppe Severgnini auf ihrer Zugreise von Moskau nach Lissabon. Der 44-jährige «Zeit»-Redaktor aus Hamburg und der um zehn Jahre ältere Kolumnist beim «Corriere della Sera» in Mailand waren in offizieller Mission unterwegs. Im Auftrag des Goethe-Instituts Rom erkundeten sie die unterschiedliche Mentalität der Menschen in Europa aus der Sicht eines Deutschen und eines Italieners.
Was sich eher unspektakulär anhört, liest sich interessant und ist vor allem amüsant. Denn Spörrle und Severgnini packten ihre Erlebnisse und Erkenntnisse täglich in je einen Blog, der in zehn Sprachen übersetzt und eifrig kommentiert wurde. Mit Hilfe eines kleinen Begleitteams erstellten sie zudem witzige Videoblogs aus ­allen elf durchfahrenen Städten Moskau, Kiew, Krakau, Prag, Wien, Zürich, Lyon, Marseille, Barcelona, Madrid und Lissabon.
Die Reise der beiden endete zwar am 14. Mai, ein Nach-Lesen und -Sehen lohnt sich aber alleweil.