Zwei wie «Päch u Schwäfu»

kulturtipp 10/2013 vom | aktualisiert am

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Das Berner Künstler­­-duo Schertenlaib & Jeger­lehner erhält den Salzburger Stier. Ein Gespräch über Humor als Überlebensstrategie und die Tragikomik ­des Alltags.

Ihre erste Bühnenerfahrung sammelten Gerhard Tschan und ­Michel Gsell als in Tischtücher eingewickelte Römer im lateinischen Schülertheater: «Wir durften aber nur einen einzigen Satz sagen», erinnert sich Gsell. Und Tschan ergänzt: «Wir haben schon immer lieber rumgeblödelt, anstatt zu lernen – Humor war unsere Überlebensstrategie.» Die beiden ehemaligen Schul­kameraden und WG-Genossen schauen sich lachend an. Rund 35 Jahre später sind sie immer noch gemeinsam unterwegs – seit 2007 auch künstlerisch als Duo Schertenlaib & Jegerlehner.

Schräge Kombinationen

Bis dahin war es ein langer Weg: Beide haben sich zum Lehrer ausgebildet, Tschan auch zum Koch, und Solokarrieren gestartet – Gsell als Sprachpoet und Tschan als Clown. Der Erfolg hat sich aber erst richtig eingestellt, als die Berner gemeinsame Sache machten. «Mir si zwe wi Päch u Schwäfu», kündigen sie sich in ihrem Programm an. Passend dazu nannten sie ihr erstes Bühnenstück «Päch», gefolgt von «Schwäfu». Darin verpacken sie melancholisch-lustige, berndeutsche Geschichten und begleiten sie mit diversen Instrumenten: Gsell alias Schertenlaib ist an Schlagzeug, Ukulele und Melodika zu hören, Tschan alias Jegerlehner an Handorgel, Mundharmonika und Trompete – von Reggae über Rock bis zu Schlager und Jodel ergeben sich dabei die schrägsten Kombinationen. Den Stoff für ihre Storys schöpfen die Klangkabarettisten, die nahe bei Bern leben, aus dem ländlichen Alltag: «Wir erzählen tragikomische Geschichten mit Wiedererkennungseffekt», sagt Tschan. Im Reggae-Stück «Sämi» dampft etwa ein Emmentaler Rastamann «verlade» auf seinem Traktor zur Landi. Für ein anderes Stück hat sich Gsell von einem Rasierapparat-Verkäufer inspirieren lassen, der jeden Satz penetrant mit einem «gäued!» unterstrich.
Die zwei Künstler sind ein eingespieltes Duo, für Text und Musik sind sie gleichermassen verantwortlich. Unstimmigkeiten gibt es dennoch ab und zu: «Ich funktioniere nur auf Zeitdruck», gesteht Gsell, der daneben als Familienvater und Lehrer Verpflichtungen hat. «Wenn ich zu lange an etwas dran bin, wirds mir langweilig.» «Nicht immer einfach für das Umfeld», wirft sein Bühnenpartner trocken ein. Tschan selbst musste nach einem schweren Lawinenunfall vor zwei Jahren kürzertreten. Seine Beinverletzung ist noch immer nicht verheilt, darum konzentriert er sich momentan ganz auf Schertenlaib & Jegerlehner.
Und die neuste Errungenschaft, der renommierte Kleinkunstpreis Salzburger Stier, gibt den Berner «Giele» recht. Ausgezeichnet werden sie «für ihren Schalk, ihre Spinnereien und ­ihre stupende Musikalität». «Eine Wahnsinnsfreude» hätten sie gehabt, erklären sie einstimmig. Zur Preisverleihung in Fürstenfeldbruck bei München begleitet sie ihre eingeschworene Fangemeinde. Ein Car voller Fans aus der Heimat bringt tatkräftige und Fähnchen schwingende Unterstützung.

 

Schwäfu
Mi, 8.5., 20.00 La Cappella Bern
Fr, 10.5., 20.15 Gong Kulturzentrum Aadorf TG
Sa, 11.5., 20.30 Meck Frick AG
www.schertenlaibundjegerlehner.ch

Radio
Live-Mitschnitt von der Preis­verleihung zum Salzburger Stier
Mi, 8.5., 20.00 Radio SRF 1

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