Wieder gesehen: Authentisch

kulturtipp 07/2015 vom

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Mit seiner Tragikomödie «Halbe Treppe» über das Lieben und Leben kleiner Leute schuf Andreas Dresen 2002 wunderbar gespieltes Kino.

Zwei befreundete Paare in Frankfurt an der Oder: Ellen und Uwe sowie Katrin und Chris wohnen hier in tristen Plattenbauten. Die namensgebende «Halbe Treppe» ist Uwes (Axel Prahl) Reich: eine Imbissbude unter einem Plastikzelt. Ellen (Steffi Kühnert) verkauft Parfüms, die sie sich nie leisten könnte. Chris (Thorsten Merten) macht als Privatradiomoderator morgens flotte Sprüche. Seine Frau Katrin (Gabriela Maria Schmeide) wacht über den Lastwagenparkplatz am deutsch-polnischen Grenzübergang.

So leben sie ihr Leben, in Routine erstarrt. Dramatisch ist in diesem ereignislosen Alltag bereits, wenn der Wellensittich davonfliegt. Bis es eines Tages so weit kommt: Ellen und Chris werden ein Paar. Jetzt haben alle vier Enddreissiger in der Midlife-Crisis ein Problem in dieser glänzenden Tragikomödie.

Regisseur Andreas Dresen wollte nicht auf Sozialrealismus in der Ex-DDR machen, sondern eine kleine universelle Geschichte erzählen. Er macht es glaubwürdig und authentisch. Ein Drehbuch  gab es beispielsweise nicht, die Dialoge wurden erst an den Schauplätzen entwickelt. Um Realismus zu vermeiden, werden die vier Protagonisten im Film zwischenhinein in Interviews zu Liebe, Leben und Ehe befragt.

Die 12-köpfige Berliner Combo 17 Hippies sorgt für den Soundtrack und spielt selber auch vor der Kamera. Ganz zum Schluss quetscht sich die komplette Band in Uwes Imbiss.

In Berlin holte der Film «Halbe Treppe» 2002 den Festivalpreis Silberner Bär. «Der Spiegel» und «Die Weltwoche» waren sich einig: «Meisterwerk».

DVD 
Halbe Treppe
Regie: Andreas Dresen
D 2002
DVD, 111 Minuten
(Universal Pictures 2003).

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