Wieder gelesen: Sehnsucht nach Ausbruch

kulturtipp 06/2019 vom

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Im Suhrkamp Verlag ist mit «Frau im Dunkeln» ein frühes Werk von Elena Ferrante erschienen. Mit sprachlicher Eloquenz und schonungsloser Offenheit verhandelt sie im Roman ambivalente Muttergefühle.

Abgründe am Strand: Die Vergangenheit holt Elena Ferrantes Protagonistin in den Ferien ein (Bild: JEVGENIJA PIGOZNE / IMAGEBROKER / VARIO IMAGES)

Abgründe am Strand: Die Vergangenheit holt Elena Ferrantes Protagonistin in den Ferien ein (Bild: JEVGENIJA PIGOZNE / IMAGEBROKER / VARIO IMAGES)

«Manchmal muss man fliehen, wenn man nicht sterben will.» Mit diesem Satz schockiert die Universitätsdozentin Leda im Roman «Frau im Dunkeln» in den Strandferien in Süditalien eine neapolitanische Familie. Aus dem Nichts heraus erzählt sie ihnen, dass sie als junge Mutter ihre Kinder verlassen hat: «Ich habe sie sitzenlassen, als die Grosse sechs war und die Kleine vier.» Nach drei Jahren habe sie die Töchter wieder zu sich genommen. Eine Zeit in ihrem Leben, über die sie sonst nie spricht. Dementsprechend bloss­gestellt fühlt sie sich nach dem unvermittelten Geständnis. 

Schon in ihren frühen Romanen geht Elena Ferrante, die mit ihrer vierbändigen neapolitanischen Saga für weltweites Auf­sehen sorgte, an die Schmerzgrenze. Seit das sogenannte «Ferrante-Fieber» ausgebrochen ist, erscheinen im Suhrkamp Verlag auch ihre Frühwerke.

Eine Mutter zerbricht an den Erwartungen 
Die Sehnsucht nach einem anderen Leben, die Rolle der Frau in patriarchalen Systemen und Bildung als Schlüssel zur Selbstverwirklichung durchziehen ihr Werk. Im 2006 erschienenen und von Anja Nattefort ins Deutsche übersetzten Roman «Frau im Dunkeln» geht Ferrante den ambivalenten Gefühlen einer Mutter zwischen Aufopferung und Selbstverwirklichung schonungslos auf den Grund: Die 48-jährige Leda wird in ihren Ferien von Erinnerungen übermannt. [...]

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