Wieder gelesen: Hauptsache, die Etikette stimmt

kulturtipp 03/2018 vom

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Anthony Powell karikiert die britische Oberschicht mit schmerzhaft bissigem Humor. Jetzt ist sein Buch «Eine Frage der Erziehung» neu herausgekommen.

Ein Freund erleidet einen Schlaganfall, gross ist die Anteilnahme. «Er starb zehn Tage nach seiner Erhebung in den Adelsstand – ein bemerkenswerter Fall von verspätetem Schock.» Das ist der Humor des Schriftstellers An­thony Powell (1905–2000), der in jenen Kreisen verkehrte, über die er grösstenteils autobiografisch schrieb. Jetzt erscheint nach und nach sein zwölfbändiger Zyklus «Ein Tanz zur Musik der Welt» auf Deutsch, mehr als ein halbes Jahrhundert nach der englischen Fassung. Der Titel ist eine Reverenz an das gleichnamige Gemälde des französischen Barockmalers Nicolas Poussin, das Tänzerinnen beim lustvollen Reigen zeigt: «Diese allegorische Darstellung der Zeit weckt Gedanken an das irdische Leben», heisst es auf den ersten Seiten.

Unterschwellige und pfeffrige Andeutungen
Powell gehörte zur Generation von Autoren wie Evelyn Waugh, Graham Greene und George Orwell, ohne dass er deren Berühmtheit erreichte. Seine Bücher verkauften sich jedoch gut, zumal die Leserschaft seinen Namen aus konservativen Publikationen wie dem «Spectator» oder dem «Daily Telegraph» kannte. Er schrieb mit zurückhaltender Feder: keine Provokationen, nur unterschwellige Andeutungen, aber pfeffrige.

Im ersten Band «Eine Frage der Erziehung» ist der Ich-Erzähler Nick Jenkins in der Abschlussklasse an der Eliteschule von Eton. Das wird zwar nicht explizit gesagt, erschliesst sich der englischen Leserschaft indes sogleich: Hier herrscht zu Beginn der 20er-Jahre ein rigides Schulreglement, das zu Verstössen geradezu einlädt. [...]

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