Wieder gelesen: Ein Fräulein mit Grips

kulturtipp 05/2017 vom

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Eine redegewandte alte Dame löst in E.T.A. Hoffmanns «Das Fräulein von Scuderi» ein dunkles Geheimnis. Der Dörlemann Verlag hat die Krimi­novelle im prächtigen Leinenband neu aufgelegt.

Miss Marple hätte es nicht besser hingekriegt: Das ehrenwerte Fräulein von Scuderi, Dichterin am Hof von König Ludwig XIV., wird im Jahr 1680 in eine Raubmordserie verwickelt – und löst den Fall mit Herz und Verstand. Eines Nachts erhält die 73-Jährige Besuch von einem Unbekannten, der ihr ein Kästchen mit einem kostbaren Geschmeide aushändigt und sie «um Rettung anflehen will aus drohender Gefahr». Schnell geht ihr auf, dass der Schmuck in Zusammenhang mit den Juwelendieben stehen muss, die Paris unsicher machen. Sie stechen Männer des Nachts auf dem Weg zu ihren Liebhaberinnen nieder und rauben ihnen ihre wertvollen Geschenke. Das Sondergericht Chambre Ardente geht mit Brutalität gegen potenzielle Räuber vor. Doch erst das Fräulein von Scuderi führt mit ihrer Menschenkenntnis auf die richtige Spur – und rettet dank ihrer Wortgewandtheit gleich noch ein junges Liebespaar vor der Hinrichtung. 

E.T.A. Hoffmanns Novelle im spätromantischen Stil ist Krimi, Liebesgeschichte und Milieustudie in einem. Die Mordserie beruht auf historischen Ereignissen, die unter anderem der Dichter Voltaire beschrieb. Auch das Fräulein von Scuderi existierte tatsächlich: Der Autor beruft sich auf die erfolgreiche französische Barock-Schriftstellerin Madeleine von Scudéry (1607–1701). 

Der Dörlemann Verlag gibt die charmante und gesellschaftskritische Novelle in der Reihe «Liebling» neu heraus, die deutsche Klassiker im bedruckten, fein gewobenen Leinenband aus der Versenkung hebt. Ein Grund mehr, Bücher in gedruckter Form zu lesen.

Buch
E.T.A. Hoffmann
«Das Fräulein von Scuderi»
Erstmals erschienen: 1819
Heute erhältlich bei Dörlemann. 

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