Wieder gelesen: Aus dem Korsett befreien

kulturtipp 07/2019 vom | aktualisiert am

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Der Roman «Effie Briest» von Theodor Fontane ist Unterhaltung im besten Sinne. Biografin Regina Dieterle erklärt zum 200. Geburtstag des deutschen Dichters, warum sich die Lektüre in der heutigen Zeit lohnt.

Theodor Fontane: Gesellschaftskritiker und Humanist (Bild: Pictorial Press LTD / Alamy Stock Photo)

Theodor Fontane: Gesellschaftskritiker und Humanist (Bild: Pictorial Press LTD / Alamy Stock Photo)

Unerfüllte Liebe, Ehebruch, Rache, Mord: Theodor Fontanes Roman «Effie Briest» von 1896 hat alles, was auch ein moder­­ner Unterhaltungsroman bieten kann – und noch viel mehr. Mit der Geschichte rund um eine junge Frau, die sich aus ihrer langweiligen Ehe und moralischen Zwängen befreien will, verhandelt Fontane gesellschaftliche Themen: Er zeigt etwa auf, in welche passive Rolle die Frau in der Adelsgesellschaft des 19. Jahrhunderts gedrängt wird. 

Hinterfragen von Geschlechterbildern
Effie Briest, die als 17-Jährige auf Geheiss ihrer Mutter den über 20 Jahre älteren Baron von In­stetten heiratet, löst sich aus ihrer Le­thargie, indem sie sich in eine ­Affäre mit einem Offizier stürzt. Doch das Abenteuer mit Major von Crampas endet im Desaster. Als ihr pflichtbewusster Mann die Liebesbriefe Jahre später entdeckt, verstösst er Effie und tötet im Duell den Offizier. Für die nun gesellschaftlich geächtete Effie führt die Affäre zum schlimmstmöglichen Ende …

Fontane (1819–1898) hat sich für die Geschichte von einer wahren Begebenheit inspirieren lassen. Er erzählt darin aber nicht nur von einer versuchten Frauen-Emanzipation, sondern hinterfragt auch die Rolle des Mannes: Dieser verfügt zwar über einen grösseren Spielraum als die Frau, aber ist ebenso in gesellschaftlichen Konventionen gefangen. Denn der betrogene Baron von Instetten fühlt sich zum Duell verpflichtet. Die Möglichkeit, die vergangene Affäre auf sich beruhen zu lassen, besteht in der von rigiden Moralvorstellungen bestimmten Gesellschaft nicht: Vom Mann wird erwartet, dass er für die Wiederherstellung seiner Ehre kämpft. [...]

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