Was heute in aller Ohren ist, sorgte vor 25 Jahren für Unruhe. Die Kombination von Ländlermusik, Naturjodel und Jazz brachte Kultur- und Bevölkerungskreise zusammen, die sich bis dahin gemieden hatten. Hans Kennel war einer der wesentlichen Impulsgeber. Der gebürtige Schwyzer hatte klassische Trompete studiert und sich einen Namen als Jazzer gemacht. In europäischen Clubs spielte er mit Bruno Spoerri oder Irène Schweizer, aber auch mit dem deutschen Posaunisten Albert Mangelsdorff, Abdullah Ibrahim aus Südafrika oder der US-Pianistin Carla Bley.

Ab den 1980er-Jahren besann sich Kennel seiner Herkunft. Er entstammt einer bekannten Volksmusikanten-Familie, Jodelgesänge, Zäuerlis und Alphornklänge prägten seine Kindheit. In Bands wie Alpine Jazz Herd, Habarigani oder Mytha begann er, diese zu adaptieren. Was anfänglich nach verjazztem Jodel klang, entwickelte sich zu einer raffinierten Fusion beider Klangsprachen. 

Am nachhaltigsten gelang ihm dies im Alphornquartett Mytha, das später als Trio oder Mytha New Edition mit Sängerin Betty Legler in Erscheinung trat. Die ersten Mytha-Aufnahmen von 1991 und 1993 waren lange vergriffen. 2007 hat sie das Basler Label HatHut als Doppel-CD neu herausgebracht. Lobenswert, denn diese Aufnahmen haben wesentlich zur Ausprägung der Neuen Alpinen Volksmusik beigetragen.

Hans Kennel ist heute 76 und unablässig aktiv. Im Zürcher Moods gastiert er mit seinem neuesten Projekt Alpensturm 15. Für dieses hat er sein Quintett Alphorn Grooves mit dem Jodlerinnenquartett Obsigänt vereint.    

Hans Kennel
Mytha – How It All Startet 
(HatHut 2007).

Konzert
Mi, 9.12., 20.30 Moods Zürich