Ein wichtiger französischer Jazzpreis heisst «Choc». Und so machte im Frühling 2009 ein Wortspiel die Runde. Die «Choc»-Gewinnerin hiess damals Youn Sun Nah, eine bereits 40-jährige Sängerin, die mit ihrem Album «Voyage» halb Europa in Schockstarre versetzt hatte. Der Schock freilich war ein beglückter, ja entzückter, denn Youns Stimme wurde reihum als «aufregend» und «schillernd» gepriesen.

Tatsächlich überraschte die Koreanerin mit einem Gesang von kristalliner Klarheit, dem aber zugleich eine abgeklärte Reife und Wärme innewohnte. Clever war zudem ihr weitgefasstes Programm: Sie sang Standards von Nat King Cole und Egberto Gismonti, Rocksongs von Tom Waits sowie Eigenkompositionen und liess sich von abgebrühten Eurojazzern wie dem Gitarristen Ulf Wakenius, Bassist Lars Danielsson oder Trompeter Matthias Eick begleiten. Dahinter steckte das clevere Management des deutschen Labels ACT, das Youn bald auch mit Stars wie den Gitarristen Nguyên Lê und Marc Ribot oder Akkordeonist Vincent Peirani zusammenbrachte.

Youn Sun Nah ist 1969 in ­Seoul geboren und sang dort früh schon Folklore und Musicals. Anfang der 90er zog sie nach Paris, um Literatur zu studieren, konnte aber das Singen nicht lassen. 2001 debütierte sie mit dem Album «Reflet». Den Durchbruch schaffte sie aber erst 2009 mit «Voyage». Ihrem Erfolgsrezept ist Youn Sun Nah treu geblieben: Sie mischt ihren Jazzgesang mit Klangfarben aus Pop, Soul, Chanson und einem zuweilen leichten asiatischen Folklore-Touch. Dieser Tage erscheint ihr neues Album «Immersion», mit dem sie zum Giganten Warner Music wechselt. Der Sound kommt opulent und perfekt arrangiert daher. Auf Release-Tour geht Youn Sun Nah erstaunlicherweise mit akustischem Trio. 

Konzert
Mi, 13.3., 20.00 Kirche Neumünster Zürich
 
CDs
Youn Sun Nah
Voyage 
(ACT 2009)
 
Youn Sun Nah 
Immersion 
(Warner 2019)