Wieder gehört: Andere Töne

kulturtipp 01/2016 vom

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Nikolaus Harnoncourt hat kürzlich seine Dirigentenkarriere beendet. Zwei Mal leitete der Österreicher auch das Wiener Neujahrskonzert.

Für Klassikliebhaber ist es ein wiederkehrender Höhepunkt im Konzertkalender, und dies am ersten Tag des Jahres. Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker findet seit 1939 statt, seit über 40 Jahren wird es vom ORF live in alle Welt übertragen. 2015 verfolgten es – nebst dem 2000-köpfigen Publikum im goldenen Saal des Wiener Musikvereins – über 50 Millionen Menschen in 92 Ländern.

Obwohl dieser Anlass traditionellen Ritualen folgt, was Repertoire und Ablauf betrifft, lädt das Orchester stets wechselnde Dirigenten ein. Diese können musikalisch zumindest gewisse Schwerpunkte setzen. Einige kehrten unzählige Male aufs Podium zurück wie Willi Boskowsky oder Lorin Maazel. Bei anderen blieb es bei wenigen Gastspielen. Der legendäre Herbert von Karajan dirigierte das Neujahrskonzert sogar nur ein einziges Mal – 1987.

Für eine Überraschung sorgten die Wiener Philharmoniker, als sie 2001 Nikolaus Harnoncourt verpflichteten. Der damals bereits 72-jährige Pionier der historischen Aufführungspraxis schlug tatsächlich andere Töne an, indem er den ewig gleichen Reigen an Walzern, Polkas und Märschen der Strauss-Dynastie neu interpretieren liess. Dies mit grossem Erfolg: Der jeweils kurz nach dem Neujahrskonzert als CD erscheinende Mitschnitt verkaufte sich 2001 so gut wie nie zuvor. Und das Orchester lud den streitbaren Dirigenten 2003 ein zweites Mal ein.

Anfang Dezember hat Nikolaus Harnoncourt seine Karriere als gefeierter Opern- und Konzertdirigent altersbedingt beendet. Das anstehende Neujahrskonzert leitet zum dritten Mal der Lette Mariss Jansons.

CD
Neujahrskonzert 2001 
Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt
(Teldec 2001).

Neujahrskonzert
Fr, 1.1., 11.15 Live
Radio: SRF 2 Kultur
Fernsehen: SRF 1/ORF/3sat
Leitung: Mariss Jansons

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