Werner Ryser: Mund-Art vom Feinsten

kulturtipp 07/2018 vom

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Der Basler Schriftsteller Werner Ryser über die Tücken des Walliser Dialekts.

Der Basler Schriftsteller Werner Ryser (Bild: JUERG KILCHHERR)

Der Basler Schriftsteller Werner Ryser (Bild: JUERG KILCHHERR)

Der Dialekt sei die Sprache des Herzens, die eigentliche Muttersprache, heisst es. Nicht umsonst nennen wir unser Schweizer Hochdeutsch, das wir fast nur im schriftlichen Verkehr verwenden, Schriftdeutsch. Im mündlichen Umgang ziehen wir die Mundart vor. Selbst in der Schule kann es vorkommen, dass ein entnervter Lehrer aus der Standardsprache zwischendurch in den ­Dialekt verfällt, aufs Pult schlägt und ruft: Jetz isch Gopfried Stutz gnueg gschnäderet … Im Radio wird  Hochdeutsch fast nur noch für die Nachrichten und Informationssendungen verwendet. Eine Ausnahme ist der Kulturkanal Radio SRF 2, wo man sich der Standardsprache verpflichtet fühlt. Und auch in der Kirche, wo es feierlich zu- und hergeht, betet der Pfarrer nicht so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Weshalb eigentlich? Offenbar war Hubert Theler aus Naters der Meinung, dass der liebe Gott auch Mundart versteht, und so nahm er sich vor, das Neue Testament, das bisher in 1432 Sprachen vorliegt, um eine wallisertitschi Version zu bereichern. 

Üsserschwiizer haben oft eine Heidenmühe, ihre Miteidgenossen ennet dem Lötschberg zu verstehen. Das liegt daran, dass das Wallisertitsch, aufgrund seiner isolierten Lage zwischen zwei mächtigen Gebirgen, gewisse Lautverschiebungen, die das Schweizerdeutsch in den vergangenen Jahrhunderten vollzogen hat, zum Teil nicht mitmachte und deshalb bei einigen typisch alt- und mittelhochdeutschen Lautmerkmalen verharrte (etwa Hüs, Hiischer im Gegensatz zu Huus/Hüüser). [...]

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