Überall und nirgends zu Hause

kulturtipp 23/2014 vom

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Olga Grjasnowa erzählt in ihrem neuen Roman von einer fragilen Dreiecksgeschichte. Ein Besuch im Atelier Müllerhaus in Lenzburg, wo die 29-jährige Autorin für drei Monate zu Gast ist.

Olga Grjasnowa: Die Autorin kennt das Leben auf der Überholspur (Bild: Rene-Fietzek)

Olga Grjasnowa: Die Autorin kennt das Leben auf der Überholspur (Bild: Rene-Fietzek)

Grösser könnte der Gegensatz nicht sein: Hier das beschauliche Lenzburg, dort die pulsierenden Grossstädte Berlin, Moskau oder Tel Aviv, in denen Olga Grjasnowa gelebt hat. Aber die junge ­Autorin mit den jüdisch-aser­-baid­schanischen Wurzeln hat ein Flair für Gegensätze. «Hier passiert im positiven Sinne gar nichts – und ich nutze die Ruhe zum Recherchieren, Schreiben und Lesen», sagt sie und tischt dem Besuch Tee mit Zopf und Schokolade auf ihrer idyllischen Terrasse im Atelier Müllerhaus auf. Sie wirkt wie das nette Mädchen von nebenan, ihre Bücher aber sind ausgerüstet mit scharfen Pfeilspitzen. Mit ihrem radikalen Roman «Der Russe ist einer, der Birken liebt» hat sie 2012 im Literaturbetrieb Aufsehen erregt. Nun hat sie den Pfeil-Köcher neu gefüllt und legt mit dem Roman «Die juristische Unschärfe einer Ehe» nach.

Alles ist möglich

Mit viel Witz und in rasantem Tempo – das in etwa ihrem Sprechtempo entspricht – berichtet sie darin von einer Dreiecks-Liebesgeschichte zwischen Berlin, Moskau und Baku/Aserbaidschan: Im Mittelpunkt steht die junge aserbaidschanische Balletttänzerin Leyla, die ihren Körper einem fast unmenschlichen Drill unterzieht. Sie ist mit dem muslimischen, eigentlich homosexuellen Psychiater Altay in einer nicht nur platonischen Scheinehe verbunden, fühlt sich aber auch zu der jüdischen Kunststudentin Jonoun hingezogen. Während der erste Teil im hippen Berlin Kreuzberg spielt, entdeckt das Dreiergespann im zweiten Teil den Kaukasus. Mit kritischem Blick schaut die Autorin auf die Länder, in denen die postsowjetische Oligarchie ihre Spuren hinterlassen hat und Homophobie verbreitet ist. [...]

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