Theater «Die Schutzbefohlenen»: Festung Europa

kulturtipp 07/2016 vom | aktualisiert am

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Im Theaterstück «Die Schutzbefohlenen» gibt Elfriede Jelinek Flüchtlingen eine Stimme. Das Konzert Theater Bern bringt den brisanten Text zur Schweizer Erstaufführung. Eine Gratwanderung.

Bootsflüchtlinge: Sie steuern einer unsicheren Zukunft entgegen (Bild: AP/World Press Photo)

Bootsflüchtlinge: Sie steuern einer unsicheren Zukunft entgegen (Bild: AP/World Press Photo)

Sprachlos. So stranden die Menschen, die aus ihrer Heimat vor Krieg und Elend flüchten, in Europa. Die traumatischen Erinnerungen an die Kriegsgräuel und an die Flucht übers Meer hallen nach, die Sprache im fremden Land ist eine unbekannte Melodie. Der Berg Bürokratie, der Kampf um einen Platz in der Sicherheit, lässt sich ohne fremde Hilfe nicht bewältigen. Die österreichische Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek setzt dieser Sprachlosigkeit im Stück «Die Schutzbefohlenen» eine Rede-Flut entgegen – schwankend zwischen wütender Anklage und flehender Bitte. Ein Flüchtlings-Klagechor in der Wir-Form, der aber unvermittelt in die mitteleuropäische Perspektive wechseln kann. 

Die Regisseurin Claudia Meyer verdeutlicht die Sprachlosigkeit in ihrer Inszenierung im Konzert Theater Bern unter anderem mit Tanz. Beim Probenbesuch in Bern loten die drei Schauspieler und zwei Tänzer Varianten aus, die der Text ihnen eröffnet: Während Schauspieler Tobias Krüger zu einer Anklage ansetzt, lässt sich Tänzerin Patricia Rotondaro von ihm wie eine Marionette führen. Harte Bewegungen begleiten harte Worte: «Den Tod können Sie an anderen erfahren, den eigenen leider nur an sich selbst, und das ist dann keine Erfahrung mehr, na, ich weiss nicht, ich könnte Ihnen ­Sachen erzählen vom Tod, vom Kopfabschneiden, vom Erschiessen, Erschlagen, Erstechen …» Abrupt drückt er ihren Kopf nach unten. Sie selbst bleibt machtlos, eine von fremden Händen gezogene Marionette. [...]

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