Oropax - «Wir nennen es Bühnendarwinismus»

kulturtipp 24/2012 vom | aktualisiert am

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Das deutsche Comedyduo Oropax gastiert mit dem Programm «Im Rahmen des Unmöglichen» in der Schweiz. Ein Gespräch mit Thomas Martins, einem der sprachge­wandten «Chaosbrüder».

Zwar mag Thomas Martins die Schweiz. Doch etwas nervt ihn hierzulande kolossal – der sprachliche Minderwertigkeitskomplex der Leute. Dabei sei Schweizerdeutsch einer der tolls­ten Dialekte, ist Martins überzeugt. Er muss es wissen, denn Sprache ist sein Geschäft. Zusammen mit seinem Bruder Volker betreibt er seit 1983 das deutsche Comedyduo Oropax.

Ihre extrovertierte Art habe sie schon als Schüler immer wieder zu spontanen Sketcheinlagen motiviert. Und so hätten sie kurzerhand beschlossen, mit einem gemeinsamen Freund eine Kabarett-Truppe ins Leben zu rufen. Aus Liebesgründen ist der Dritte im Bunde aber längst ausgeschieden, weshalb Thomas Martins seither nur noch mit seinem Bruder, Technikern und Kostümbildnerinnen durch die Lande zieht. Seit 1994 hauptberuflich: «Von da an mussten wir zu jeder Zeit lustig sein – berufsbedingt.»

Weder Thomas noch Volker Martins haben je eine Schauspielausbildung genossen: Der eine ist Heizungsmonteur, ­der andere Betriebswirtschaftler. «Was uns antreibt, ist kein angelerntes Schauspielertum, sondern die reine Spielfreude – das ist bis heute so geblieben.» Im Elternhaus sei es allerdings nicht immer lustig zugegangen: «Vater Berufssoldat, Mutter auch beim Heer – bei uns zuhause herrschte eine zwar nicht unherzliche, aber äusserst strenge Atmosphäre.» Für die Entwicklung eines ­«Chaostheaters», wie die Martins ihre Comedyunternehmung nennen, sei das eine hervorragende Voraussetzung gewesen.


Viel Improvisation

Das klingt nach wenig Planung und viel Improvisation. Denn die beiden Brüder sind tatsächlich Improvisationstalente: Mindestens ein Drittel des Programms entwerfen sie im Laufe eines Abends ad hoc nach Lust und Laune. «Wir proben eigentlich nie, legen uns aber über ein einstudiertes Programm auf ­einen Rahmen fest», erklärt Thomas Martins. Was sich innerhalb dieses Rahmens abspielt, entscheidet sich situationsbedingt. Dabei jagt ein Sprachwitz den anderen – die beiden Brüder witzeln sich gerne gegenseitig in Ekstase. «Wieso frisst du denn die Kerze?», fragt der eine. «Damit die Zähne wachsen», antwortet der andere spontan. Die Publikumsreaktionen entscheiden, welche Witze im Programm bleiben: «Wir nennen das Bühnendarwinismus – ohne es zu wissen, trifft das Publikum die Programmgestaltung», scherzt Thomas Martins.

Die Ideen selbst stammen freilich von den Martins. Sie hätten einen «extrem kreativen Output», so Thomas Martins. Ha­pern würde es eher an der ­Umsetzung und an der Machbarkeit. Dabei gibt es einige ­moralische No-Gos: «Keine ­Verarschung des Publikums und keine Scherze über Minderheiten», beschreibt Martins die Leitplanken, denen entlang sie ansonsten frei drauflos assoziieren. Zu frei? Das wohl nicht. Aber aus Martins Sicht oftmals definitiv zu lange. «Vielleicht ist das unser Problem: Wie spielen gerne länger, als die Leute lachen wollen.»

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