Nagisa Oshimas radikaler Farbfilm

kulturtipp 03/2013 vom | aktualisiert am

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Am 15. Januar 2013 verstarb mit Nagisa Oshima ein international bedeutender Filmregisseur aus Japan mit 80 Jahren. Anlass für ein Wiedersehen mit seinem Werk «Nackte Jugend».

Nagisa Oshima kratzte mit seiner Filmkunst zeitlebens an Tabus – und sorgte für Aufregung. Zum bekanntesten «Skandalfilm» seines Œuvres gehört «Im Reich der Sinne» (1976). Überaus lohnenswert ist auch der frühe Film «Seishun zankoku monogatari» («Nackte Jugend») von 1960 geblieben. Er ist auf DVD in einer untertitelten Schweizer Edition erhältlich.
Oshima praktizierte Ähnliches wie seine französischen Filmkollegen Ende der 1950er-Jahre. Die Filmzeitschrift «Cahiers du cinéma» nannte «Nackte Jugend» ein Beispiel für «Nouvelle Vague made in Japan». Nicht zufällig wurde der Film des «japanischen Godard» als «‹A bout de souffle› à la Japonaise» bezeichnet.
Die beiden Hauptfiguren Makoto und Kiyoshi vertreten eine verlorene, zukunftslose junge Nachkriegsgeneration. Sie sind in ihrem Aufbegehren gegen die Eltern von einem diffusen Zorn getrieben – und zum Scheitern verurteilt. Ihre Geschichte von Gewalt und Leidenschaft geht schlimm aus. Das kriminelle Treiben, brave Bürger auszunehmen, die Mitfahrgelegenheiten anbieten, endet mit dem Tod von Makoto und Kiyoshi. Die für das prüde Japan jener Zeit radikale filmische Erzählung ist auch formal auffällig. Oshima filmte etwa mit Handkamera im Breitleinwandformat und wählte ungewöhnliche Bildausschnitte. Die Farben erscheinen seltsam kühl. Und die Farbe Grün fehlt ganz. Der Grund dafür laut dem Regisseur: «Grün besänftigt das Herz der Zuschauer. Grün versüsst ihre Gefühle.»

[DVD]
Seishun zankoku monogatari (Nackte Jugend)
Regie: Nagisa Oshima
Japan 1960; DVD 96 Minuten, OmU (Trigon 2009).
[/DVD]

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