Krimi: Gespaltene Stadt

kulturtipp 04/2018 vom | aktualisiert am

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Christian Schünemann und Jelena Volic liefern mit ihrem dritten Krimi «Maiglöckchenweiss» kluge ­Unterhaltung und geben einen tiefen Einblick in ­die serbische Gesellschaft.

Kreatives Autorenduo: Jelena Volic und Christian Schünemann (Bild: Philippe Matsas/Opale/Leemage/LAIF)

Kreatives Autorenduo: Jelena Volic und Christian Schünemann (Bild: Philippe Matsas/Opale/Leemage/LAIF)

1998: Zwei Jugendliche prügeln einen Ro­ma-­Jungen in Belgrad zu Tode. 2003: Der serbische Ministerpräsident wird auf dem Weg in den Regierungssitz erschossen. Diese beiden auf den ersten Blick unterschiedlichen Tragödien aus der Vergangenheit holen die Kriminologin Milena Lukin und den Anwalt Stojkovic ein. Er bearbeitet den Fall des Täters Jurij Pichler, der damals mit seinem Kollegen auf den Jungen einschlug und ohne Strafe ins Ausland davonkam. Jahre später ist Jurij zurück in Belgrad und will sich der Tat stellen – doch dann wird er tot am ­Donauufer aufgefunden. An Suizid glauben weder Stojkovic noch Milena Lukin … 

Schünemann & Volic verknüpfen in ihrem dritten Krimi wiederum Spannung und Unterhaltung mit atmosphärischer Dichte und Hintergrundwissen zur serbischen Ge­schichte. Sie zeichnen ein gespaltenes Bild von Belgrad, das kurz vor dem EU-Beitritt steht, doch mit seinem korrupten System zu kämpfen hat: Auf der einen Seite die touristisch herausgeputzten Ecken, die moderne Stadt mit ihren zahlkräftigen Hipstern. Auf der anderen Seite die Ruinen der Kriegsvergangenheit oder die Armutsviertel. 

Die Leser begleiten die sympathische Ermittlerin und alleinerziehende Mutter bei ihrer Arbeit im Institut für Kriminologie und in der deutschen Botschaft, bei ihren Rendezvous mit dem deutschen Botschafter – und auf der Suche nach der Wahrheit, für die sie tief in der Vergangenheit graben muss.

Buch
Schünemann & Volic
Maiglöckchenweiss
352 Seiten
(Diogenes 2017)
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