Geschichten von hier

kulturtipp 19/2013 vom

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In «Öber em Tal» erzählt Autorin Rebecca C. Schnyder bei ihrem Mundart-Debüt von einer Wiederbegegnung.

Debüt mit Mundart-Hörspiel: Autorin Rebecca C. Schnyder / remo eisner photographie

Debüt mit Mundart-Hörspiel: Autorin Rebecca C. Schnyder / remo eisner photographie

Irgendwo in Appenzell Ausserrhoden, droben über dem Tal. Eine Frau Mitte 20 kehrt in die Heimat zurück. Sie besucht unangekündigt ihren Schulschatz Martin, der jetzt allein den ­elterlichen Hof bewirtschaftet. Sie lebt längst in der Stadt. Das ist die Ausgangslage im Hörspiel «Öber em Tal» der 1986 geborenen Appenzeller Autorin Rebecca C. Schnyder.
Julia (Jeanne Devos) will her­ausfinden, wo sie hingehört. «Irgendwie weiss ich, wo ich herkomme, aber ich habe keine Ahnung, wo ich hin soll.» Der Bauer Martin (Philipp Langenegger) ist ein einsilbiger, leicht verstockter Charakter. Geht es um Persönliches, weicht er aus. Bis lange Verschwiegenes doch noch herauskommt, nach all den vielen Jahren. Warum sein Bruder weggegangen ist. Und woher Martins Narben stammen. «Der Vater hat uns alle verprügelt.» Ihn, den Bruder Thomas, die Mutter, sogar die Tiere. Wieso Martin denn die ganze Zeit nie etwas davon gesagt habe, fragt Julia. «Isch halt ase gsii.»

Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht ringt sich Martin zu den Worten durch: «Bitte bleib da, bei mir.» Julia: «Ich chume wieder.» – Martin: «I 12 Johr.» – Julia: «Nei, früener.»

Mit «Öber em Tal» ist ein ursprünglich für die Bühne geschriebener Text zum Hörspiel geworden. Auf der Grundlage des Bühnenstücks «Schiffbruch» von Rebecca C. Schnyder entstand letztes Jahr für den Radiosender SWR 2 das Hörspiel «Über dem Tal». Und jetzt kommt der dramatische Erstling in Mundartfassung: Schnyder bot sie Radio SRF an, es würde doch auch gut passen («Es ist eine Geschichte von hier»). Die 27-jährige Autorin zeigt sich erfreut über das Resultat: «Genau so muss der Text klingen.» So weit der Graben zwischen dem Damals und dem Heute, zwischen den Figuren Julia und Martin sei – «so klein ist in dieser Produktion der Graben zwischen der Idee im Kopf der Autorin während des Schreibens und dem fertigen Endprodukt».   

 

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