Gedächtnistraining mit Schiller

kulturtipp 13/2015 vom | aktualisiert am

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Die Stücke von Friedrich Schiller werden bis heute gespielt. Zum Lesen eignen sich eher seine Gedichte: Wie wärs mit dem «Lied von der Glocke»?

Friedrich Schiller (1759–1805) war niemals in der Schweiz. Dennoch widmete er den Eidgenossen den «Wilhelm Tell», der bis heute oft gespielt wird; bald in Interlaken. Zur Lektüre eignen sich Schillers Stücke nur noch in der Schule. Im privaten Bücherregal stehen eher seine Gedichte, die sich auch für träfe Zitate eignen. «Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet»: Dieser Vers stammt aus dem «Lied von der Glocke».

In diesem 1799 entstandenen Gedicht beschreibt Schiller in 426 Versen das Giessen einer Glocke als Metapher auf das menschliche Leben. Zehn Jahre hat er an diesem Werk gearbeitet. Die Reaktionen waren gemischt. Wilhelm von Humboldt sah dar­in das «vollendete Dichtergenie», Caroline Schlegel schrieb, sie sei beim Lesen fast vom Stuhl gefallen vor Lachen.

Bis in die Gegenwart ist das Gedicht gut 100-mal parodiert worden. Manche Grosseltern wissen es auswendig aufzusagen, andere beschränken sich auf die beliebte Kurzfassung: «Loch in Erde / Bronze rin / Glocke fer­tig / Bim bim bim.»

Friedrich Schiller
«Das Lied von der Glocke»
Erstausgabe: 1799
Neu aufgelegt bei CreateSpace 2014 (mit Illustrationen).

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