Franziska Furter (41), Künstlerin - Meine Kulturwoche

kulturtipp 18/2013 vom | aktualisiert am

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Mit dem Lesen ist es so eine Sache; ich möchte viel mehr dazu kommen. Aber häufig schlafe ich am Abend nach zwei, drei Seiten Lektüre ein. Das ist besonders schade bei meinen Lieblingsautoren. Dazu gehört Fredrik Sjöberg; in seinem Roman «Der Rosinenkönig» geht es um die «Hingabe an seltsame Passionen», wie es im Untertitel heisst. Der Roman handelt vom Regenwurmforscher und Rosinenzüchter Gustav Eisen, der sich um den Erhalt der kalifornischen Mammutbäume verdient machte. Oder «Die Fliegenfalle», da erzählt der ­Autor von den Schwebe-fliegen, die er leidenschaftlich sammelt. Der Mann kann stundenlang ruhig sitzen, bis das gewünschte Exemplar auftaucht. Und so geht es mir ein bisschen bei meiner Arbeit. Ich kann mich ebenfalls stundenlang mit etwas beschäftigen, zum Beispiel mit dem Flechten von Draht. Durch die repetitive Arbeit entschwebe ich oft in eine Versenkung der Zeit. Auf dem Klappentext der «Fliegenfalle» steht, dass das Buch glücklich macht, und genauso ist es mir beim Lesen ergangen.

Meine grösste Passion neben der Kunst sind die Hörbücher. Da ich oft tage- oder sogar wochenlang Draht flechte oder Bleistiftstreifen zeichne, helfen mir Hörbücher, in eine Art Semikonzentration zu kommen, die mich am Arbeiten hält. 

Eben habe ich den zweiten Band von Philip Pullmans «His Dark Materials» gehört, das sind diese drei Fantasy-Romane, wovon der eine, «The Golden Compass» auch verfilmt wurde. Der Schriftsteller steht in der Tradition des englischen Autors C.S. Lewis mit seiner legendären Geschichte «Die Chroniken von Narnia». Pullman liest sein Hörbuch selbst. Meist finde ich Autoren als Vorleser eigener Werke wenig überzeugend. Aber Pullman kann das. 

Das Gleiche gilt für den deutschen Krimiautor Jacques Berndorf mit seinen Romanen rund um den Journalisten Sigi Baumeister, der als Ermittler in der deutschen Eifel recherchiert – spannend, unterhaltend und gut vorgelesen. Manchmal sitze ich auch gerne vor dem Fernseher zur Entspannung. Kürzlich habe ich  den Dokumentarfilm «Herbstgold» von Jan Tenhaven gesehen (auch auf DVD erhältlich). Der Film begleitet drei Männer und zwei Frauen, alle über 80, die sich auf die Senioren-WM der Leichtathleten  in Finnland vorbereiten. Ein ungewöhnliches Thema, aber sehr lebensbejahend und ergreifend zu sehen.

Was die Musik angeht, empfehle ich am liebsten die CD des deutschen Jazz-Gitarristen Arne Jansen «The Sleep von Reason». Er ist ein humorvoller Interpret, den man hier zu wenig kennt.

Ja, und dann ist natürlich die Kunst wichtig für mich. Im Münchensteiner Schaulager ist bis Ende Monat noch die Ausstellung des englischen Videokünstlers und Filme­machers Steve McQueen zu sehen. Ich rate ­jedermann dringlich, diese Ausstellung zu ­besuchen. Es lohnt sich sehr. Und zum Schluss noch ein Geheimtipp: Der Aarauer Kunstraum zeigt eine Ausstellung des Basler Künstlers Martin Heldstab, da werde ich bestimmt hingehen.
 

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