Erschütterungen

kulturtipp 21/2015 vom

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Heinrich von Kleists Erzählung «Das Erdbeben in Chili» handelt von Naturgewalten – und nicht minder zerstörerischer menschlicher Gewalt.

Wohin religiöser Fanatismus führen kann, zeigte Kleist (1777–1811) bereits 1810 in seiner sprachmächtigen Novelle «Das Erdbeben in Chili». Die adlige Donna Josephe und ihr Hauslehrer Jeronimo können nicht voneinander lassen. Obwohl Josephes erzürnter Vater seine Tochter ins Kloster schickt, wird sie nach einem heimlichen Stelldichein schwanger und zum Tode verurteilt. Doch bei einem gewaltigen Erdbeben kann Josephe mit ihrem Kind fliehen. Vor der Stadt trifft sie überraschend auf Jeronimo, und die beiden wiegen sich in falscher Sicherheit, als sie auf hilfsbereite Menschen treffen. Doch als sie die Kathedrale besuchen, werden sie von einem wütenden Mob brutal getötet – angestachelt vom Priester, der das Erdbeben als Strafe Gottes für den Sittenzerfall dargestellt hatte. 

Kleists Novelle nimmt Bezug auf die Erdbeben in Santiago 1647 und in Lissabon 1755. Der Autor greift darin auch die damals intensiv geführte Debatte auf, inwiefern eine Katastrophe Ausdruck göttlichen Willens ist. 

Regisseur Ulrich Rasche und Komponist Ari Benjamin Meyers setzen Kleists Werk im Konzert Theater Bern musikalisch-literarisch um.  

Bühne
«Das Erdbeben in Chili»
Premiere: Sa, 3.10., 19.30 Konzert Theater Bern

Heinrich von Kleist
«Das Erdbeben in Chili und andere Erzählungen»
Erstausgabe: 1810
Heute erhältlich im Fischer Verlag. 

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