«Die Hauptstadt»: Eine Europa-Vision gegen den Strom der Zeit

kulturtipp 03/2018 vom | aktualisiert am

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Das Zürcher Theater Neumarkt hat sich die Rechte für die Uraufführung von Robert Menasses preisgekröntem EU-Roman «Die Hauptstadt» gesichert. Der deutsche Regisseur Tom Kühnel führt Regie in der Satire mit ­Krimi-Elementen.

Interessenkonflikt: Die Brüder Martin und Florian Susman, gespielt von Martin Butzke (Bild: Theater Neumarkt)

Interessenkonflikt: Die Brüder Martin und Florian Susman, gespielt von Martin Butzke (Bild: Theater Neumarkt)

Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse hat eine Vision: Als engagierter und kritischer Europäer setzt er sich für ein ­Europa ohne Nationen ein – und verficht die regionale Selbstverwaltung. Diese teilweise umstrittene Idee, die er in seinem Essay «Der Europäische Landbote» (2012) vertrat, baut er auf subtilere Weise auch in seinen neuen Roman «Die Hauptstadt» ein, für den er 2017 den Deutschen Buchpreis erhalten hat. Darin wirft er einen skeptischen Blick auf die Machenschaften in Europas Hauptstadt Brüssel, wo verschiedene Sprachen, Mentalitäten, Ideologien und Interessen aufeinanderprallen, wo Bürokratie und Karrierismus herrschen. Hier tummeln sich in Menasses tragikomischem Roman EU-­Abgeordnete, Wissenschaftler, Holocaust-Überlebende, Kommissare, Schweinezüchter  – und Auftragskiller (siehe unten "Vielschichtiger Roman"). 

Ein rennendes Schwein als Metapher
Eine absurde Szenerie steht ­am Anfang seines Romans: Ein grunzendes, schmutziges Schwein rennt im Galopp durch Brüssels Strassen – vorbei an den zahl­reichen Protagonisten, deren Schicksale Robert Menasse in seinem Roman zusammenführen wird. Vom Schönsten bis zum Hässlichsten bilde dieses Schwein eine Metapher für vieles, sagte Robert Menasse in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur – es steht als  Schimpfwort für politische Gegner genauso wie für Intelligenz. Das Schwein veranschaulicht aber auch grundlegende Interessenkonflikte, wie sie in der EU-Kommission täglich hervortreten. Das wird etwa deutlich im Streit der Brüder Susman: Martin als EU-Beamter und sein Bruder Florian als Schweinezüchter verfolgen unterschiedliche Ziele in der Fleisch­industrie. In Tom Kühnels Inszenierung im Zürcher Theater Neumarkt werden die Brüder mit filmischen Mitteln von ein  und demselben Schauspieler dargestellt. 

Robert Menasse hat dem Neumarkt-Team für die Uraufführung freie Hand in der Gestaltung der Theaterfassung gelassen. [...]

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