«Collection de l’Art Brut»: Kunst ohne Dressur

kulturtipp 03/2019 vom | aktualisiert am

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Das Aargauer Kunsthaus zeigt «Collection de l’Art Brut. Kunst im Verborgenen». Für den kulturtipp erläutert der Kunsthistoriker Juri Steiner Geschichte und Eigenart einer Kunstrichtung, die bestens zur Schweiz passt.

Adolf Wölfli: «Schähren=Hall und Schährer=Skt. Adolf=Ring», 1926 (Bild: ARGAUER KUNSTHAUS, AARAU/FOTO: JÖRG MÜLLER, AARAU)

Adolf Wölfli: «Schähren=Hall und Schährer=Skt. Adolf=Ring», 1926 (Bild: ARGAUER KUNSTHAUS, AARAU/FOTO: JÖRG MÜLLER, AARAU)

Doch, doch, die Schweiz ist ein ganz spezielles Land – ein Sonderfall, wo sich Gegensätze ignorieren und anziehen. Hier, wo man sich traditionellerweise auf Normalität, Ruhe und Ordnung beruft, regiert Friedrich Glausers Matto, spriessen auf dem gleichen Feld die sonderbarsten Blumen. Zwischen Zürichs Burg­hölzli, der Berner Waldau und Genfs Bel-Air gibt es wohl die weltweit höchste Dichte an Psychiatrischen Praxen und Sanatorien. Hier wurde 1916 Dada erfunden, eine Bewegung, die sich der kollektiven «Enthirnung» verschrieb. Und nicht erst die Dadas des Ersten Weltkriegs waren aus den Fugen geratene Kinder der Schweiz. Im hiesigen Reizklima liefen bereits im Jahre 1818 Mary Shelleys Synapsen heiss. Wie unter Elektroschock schuf die Autorin Frankensteins modernen Prometheus als radikalen Outsider. Und natürlich hat schon Johann Heinrich Füsslis Nachtmahr von anno 1781 Schweizer DNA. Selbst der lu­zide Nationaldichter Dürrenmatt schaute vom Neuenburger Hausberg in den Nachthimmel hoch und auf die psychiatrische Klinik Préfargier hinunter, kraulte seinen Schäferhund, dachte nach, steckte dann die Physiker ins Irrenhaus und den Rest der Schweiz ins Gefängnis.

Expedition in die Sphäre ausserhalb der Normen
Dieses sonderbare Land bietet ­einen fruchtbaren Nährboden für jene Art von Gegenkultur, wie sie Jean Dubuffet und André Breton vorgeschwebt haben musste, als sie 1948 in Paris ihre Compagnie de l’Art Brut gründeten. [...]

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