In «Panikherz» beschreibt Benjamin von Stuckrad-Barre (*1975) sein Leben voller Abstürze und Drogen. Aus der Distanz von Hollywood blickt er auf seine bisherige deutsche Biografie. Gerettet vor dem Untergang hat ihn vor allem einer: Udo Lindenberg. Stuckrad-Barre ist sein grösster Fan, kann alle Songtexte auswendig. «Panikherz» ist auch eine ­Lindenberg-Biografie, und so dürfen im Text natürlich massenhaft Songs nicht fehlen. Im Anhang nachgewiesen sind insgesamt 126 Lieder, nicht nur, aber vornehmlich vom Panik-Musiker. 

Benjamin von Stuckrad-Barre
Panikherz
576 Seiten
(Kiepenheuer 
& Witsch 2016)

Udo Lindenberg & Das Panik­orchester
Alles klar auf 
der Andrea Doria
(Teldec 1973)

Der deutsch-iranische Autor, von Haus aus Islamwissenschafter, ist ­einem Wunder begegnet, von dem er berichtet und das er analysiert in einem äusserst persönlichen Essaybuch. Die Bauchkrämpfe seiner kleinen Tochter lassen sich heilen – durch die Musik von Neil Young. Ausschliesslich durch die Songs des Kanadiers findet der Säugling zur Ruhe und zum Glück. Kermani geht seinen Gegenstand mit wunder­barer Prosa an, philologisch und religionswissenschaftlich, ganz ohne Dünkel und Scheuklappen.

Navid Kermani
Das Buch der Getöteten
von Neil Young 
144 Seiten
(Suhrkamp TB 2013)

Neil Young
Unplugged
(Reprise 1993)

Maik Brüggemeyer (*1976) ist im Hauptberuf Redaktor des deutschen Musikmagazins «Rolling Stone». Sein Dylan-Buch ist ausdrücklich als Roman gekennzeichnet, kein Sachbuch. Aber natürlich steht in dieser Mischung aus Fiktion und Realität der epochale Musiker im Zentrum, als im Grunde unfassbare Figur, der sich der Protagonist annähert in einer Spurensuche, die sich auf reichlich biografisches und musikalisches Material stützt. Lesenswert für Dylan-Freunde und für Neueinsteiger ins Dylan-Universum. 

Maik Brüggemeyer
Catfish. Ein Bob-Dylan-Roman
252 Seiten
(Metrolit 2015)

Bob Dylan
Desire
(Columbia 1976)

Es gibt nicht nur Autoren, die sich von Musik inspirieren lassen. Die New Yorker Band Visit hat – umgekehrt – Songtexte von Thomas ­Pynchon vertont. Denn der 83-jährige US-Autor streut in seine rätselhaften Texte gerne Lyrics erfundener Songs ein. Etwa in «Vineland», seiner Zeitreise aus den blumigen 60ies in die teuflischen 80ies, in dem er etwa den Song «Wacky Coconuts» erwähnt – einer der 14 CD-Songs. Die Idee zu diesem Projekt hatte der Schweizer Christian Hänggi, nachdem er eine Dissertation über Pynchon geschrieben hatte.

Thomas Pynchon
Vineland
480 Seiten
Erstausgabe: 1990
Heute erhältlich als rororo-Taschenbuch

Now Everybody – Visit Interprets  
Songs By Thomas ­Pynchon 
(Existential Hymns 2020)