Pianistische Mehrsprachigkeit
Die interessantesten Jazz-Musiker sind jene, die ihren eigenen Weg suchen zwischen Kanon und Freiraum, die Standards neue Raffinesse verleihen und für ihre eigenen Kompositionen aus dem Fundus mannigfaltiger Hör-­Erfahrungen schöpfen. Pianist Jean-­Paul Brodbeck spannt auf seinem Soloalbum mit dem trefflichen Titel «Expan­sion» ein entsprechend weites Pa­norama auf. Der 46-jährige Basler beweist seine stilistische Mehrspra­chigkeit in Kurzsuiten von rhapsodischer Breite. Interessant auch sein freier Umgang mit Gassenhauern der US-­Musical- und Film-Kom­ponisten Jerôme Kern und Ralph Rainger. Seiner Affinität für Komponisten der Romantik frönt Brod­beck in einem «Brahmsian Dance» sowie einer originellen Interpreta­tion von Frédéric Chopins Prélude in c-Moll. Ein Hörgenuss.

Jean-Paul Brodbeck
Expansion
(Enja 2020)