Man ahnt, dass es für die gut 50 kleinen Schneemänner in Ursula Pallas Video «Great White» nicht gut ausgehen wird. Bald schauen ihre Gesichter leidend drein, wenig später kippen die ersten von ihnen um. Am Schluss bleibt nur Wasser übrig, und der Betrachter trauert um drei Kugeln Schnee und zwei Kieselstein-Augen. Das Kunsthaus Interlaken widmet sich mit der Ausstellung «Schneemannsgarn» ausführlich dem freundlich-rundlichen Wintersymbol. 17 Künstlerinnen und Künstler nehmen die ­Figur als Ausgangspunkt, ­um unser Verhältnis zur Natur, zum Winter und zu Rollenbildern zu hinterfragen. Chantal Michel etwa stellt mit ihrer «La reine des neiges» den Schneekönigen aus Kunst und Literatur eine Frau entgegen. Und Claude Gigons «Bonhomme de neige» wohnt etwas Sinisteres inne. Eine Erinnerung daran, dass Schnee und Kälte für die Menschen einst Gefahr und Mühsal bedeuteten – das Schmelzen des Schnees war da eine Erleichterung.

Schneemannsgarn
Sa, 12.6.–So, 22.8. 
Kunsthaus Interlaken BE